Nachdem wir am Donnerstag Abend kurz vor Ladenschluss im Hotel „Agriturismo Margone Trento“ angekommen sind, haben wir unsere sieben Sachen ins Zimmer geräumt und sind, nachdem ich mein Glas Rotwein umgeworfen habe, ins Bett.

Laut Kommunikation auf booking.com wäre die Rezeption bis 22:30 Uhr besetzt und danach hätte das Personal Feierabend. Keine Ahnung, was gewesen wäre, wenn wir später angekommen wären, aber wir waren ja noch pünktlich. Ursache für die Verspätung war, dass wir nicht die einzigen waren, die noch einmal schnell ein verlängertes Wochenende in Italien genießen wollten. Die vollen Straßen haben viel Zeit gekostet.
Freitag morgen sind wir dann voller Tatendrang zum leckeren Frühstück. Es gab frisches Rührei, wer wollte mit Speck und allerlei italienischen Köstlichkeiten. Dass der Joghurt im Becker abgelaufen war und die Äpfel nicht so lecker waren, wie sie aussahen, wollen wir mal beiseite lassen.


Anja und ich wollten uns unten im Dorf an einer Ladestation treffen. Anja war es zu kalt und zu steil um mit dem Rad zu fahren und ist mit dem Auto runter. Ich habe die Abfahrt sehr genossen. Außerdem konnten wir so das Auto wieder laden. Die Ladestation am Hotel funktioniert leider nicht.
Dann sind wir ins Stadtzentrum geradelt. Zuerst an der Etsch entlang, über eine Brücke über den Fluss und vorbei am MUSE in die Innenstadt. Hier fand gerade eine „Free Palestine“ Demo statt. Für uns hatte die den Vorteil, dass einige Straßen gesperrt waren und wir mit dem Rad flott vorankamen.


Als erstes haben wir uns die Kathedrale von Trient angeschaut. In diesem Gebäude aus dem 13. Jahrhundert tagte 1545 bis 1563 das Konzil von Trient. Hier hatte die Gegenreformation ihren Beginn.



Anschließend haben wir uns die Altstadt von Trient angeschaut und mit einem Aperol Spritz, Panini und Tiramisu den Vormittag ausklingen gelassen.



Irgendwie habe ich die Zeit vergessen. Wir hatten am Abend vorher schon Karten für „Orrido di Ponte Alto“, die Schlucht von Ponte Alto auf 14:00 Uhr gekauft.
Ich dachte, die 4 km schaffen wir mit dem Rad in 15 Minuten, habe aber übersehen, dass wir auch 150 Höhenmeter bis dahin überwinden mussten. Das geht auch mit den eBikes nicht so ganz easy.
Wir haben es noch gerade so geschafft und waren um Punkt 14:00 Uhr vor Ort. Das Kassenhäuschen war nicht besetzt und wir wussten nicht so richtig, was wir jetzt tun sollen. Wir sind also die Treppen am Kassenhäuschen runter, unten war eine verrostete, aber geöffnete Eisentür vor einer Wendeltreppe, die nach unten führte. Als wir hinabgestiegen sind, hörten wir Stimmen in der Ferne. So ganz falsch konnten wir also nicht sein. Anja war vorgelaufen und öffnete unten eine weitere Eisentür. Plötzlich schrie eine Stimme halb auf Englisch und Italienisch, wir sollen sofort wieder hoch gehen, wir dürften hier nicht sein.
Das haben wir natürlich beherzigt und sind zur oberen Eisentür gestiegen. Hier standen wir mitten in einer tiefen Schlucht und sahen zwei sehr mächtige Wasserfälle. Auf den einen sahen wir von oben herunter, wie er sicher 30-40 Meter in die Tiefe stürtze.
Nach ein paar Minuten kam die Frau, die mit Anja geschimpft hatte mit einem Tross an Leuten die Wendeltreppe hoch. Sie wollte unsre Tickets sehen und war dann ganz freundlich. Wir könnten uns alles in Ruhe alleine anschauen. Wir sollten nur alle Eisentüren wieder schließen.
Also sind wir nochmals durch die Eisentüre über die Wendeltreppe nach unten und als wir die untere Eisentür öffneten, verschlug es uns die Sprache. Wir waren genau hinter dem tosenden Wasserfall, denn wir vorher von oben gesehen hatten. Ich musste lachen ob der Wassermassen, die hier herunterstürzten. Es sah so unwirklich aus.



Danach sind wir noch gut 30 km in die nächstgelegene Stadt, San Cristoforo al Lago, am Caldonazzosee, geradelt. Wir hatten größtenteils eine schöne Strecke mit wenig Verkehr und mit einer Festung aus dem Habsburger Reich, aber als wir durch Fersen im Suganertal fuhren, war der Verkehr sehr anstrengend für uns als Radfahrer. Die Autos touchierten uns fast, so dass wir die meiste Zeit über Bürgersteige gefahren sind. Auf Fahrradfahrer wird hier leider wenig Rücksicht genommen. Im Caldonazzosee war ich dann sogar noch eine Runde schwimmen, das Wasser hatte noch angenehme 20°C, ähnlich wie die uns umgebende Luft.



Abends waren wir noch lecker in Triente essen. Mir war es schon im Restaurant sehr kalt und zurück im Hotel spürte ich, dass ich eine dicke Erkältung eingefangen hatten.


Der Samstag fiel für mich leider komplett ins Wasser, Anja nutze den Tag zum Glück und war morgens wandern und spätnachmittags im MUSE.




