Es versprach, ein spannender Tag zu werden. Wir hatten viele Dinge hineingepackt, wollten aber auch nicht alles exakt im Vorraus planen. Es gab nur ein paar Anker, z. B. aufstehen um 7:30 Uhr und dass wir um 22:30 Uhr pünktlich in der Elbphilharmonie sein mussten.
Wie bereits geschrieben, warf uns der Wecker um 7:30 Uhr aus den Betten. Ich brauche ja immer etwas und eigentlich auch eine Tasse Kaffee, um wirklich wach zu werden, es stand aber Spocht auf dem Programm. Wir sind runter ins Gym und haben gut 40 Minuten Sport gemacht. Anja Cardio auf dem Heimtrainer, an der Rudermaschine und Krafttraining, ich rudern und anschließend noch Heimtrainer.

Dann haben wir geduscht und waren gegen 9:30 Uhr zum wirklich sehr reichhaltigen Frühstücksbuffet im Hotel. Hier gab es wirklich alles, vom englischen Frühstück (mein Favorit) über Brötchen mit verschiedenstem Belag, über vegane und vegetarische Gerichte bis zu Obst, Gemüse und Joghurt wirklich alles. Nicht zu vergessen leckeren Kaffee aus dem Vollautomaten sowie Filterkaffee aus der Thermoskanne.

Im Zimmer hatten wir uns schon jeweils eine Tageskarte für den öffentlichen Nahverkehr gekauft und wir fuhren mit dem 2er-Bus zum Kaiserdamm/Elbphilarmonie.
An der Elbphi wusste Anja, wo man ohne Anstehen kostenlose Tickets für den Besuch der Aussichtsplattform bekommt. Über zwei unterschiedlich lange Rolltreppen ging es nach oben, wo man einen schönen Überblick über die Hamburger Innenstadt und den angrenzenden Hafen hat. Die Aussicht war sehr mystisch, da Nebelschwaden durch den Hafen und durch die Stadt schwirrten. Zu Fuß sind wir dann zu den St. Pauli Landungsbrücken gelaufen. Die Landungsbrücken sind Gebäude aus der Zeit zwischen 1905 und 1907 mit schwimmenden Pontons, von wo die unterschiedlichsten Schiffe auf ihre Passagiere warten.

Anja wusste, dass einige Passagierfähren, die hier anlegen, zum öffentlichen Nahverkehr gehören. Wir sind in die Fähre Line 62 mit Fahrtrichtung Finkenwerde gestiegen und im Museumshafen Övelgönne ausgestiegen. Hier befindet sich auch der Elbstrand. Ich hatte schon im Vorfeld gelesen, dass von der Elbe als Badegewässer abgeraten wird, da ihre Strömung und Belastung durch Keime und Chemikalien immer wieder zu Unfällen führt.
Es hatte ja sehr viel geschneit und Nebel verdeckte die Sonne. Am Elbstrand sahen wir mehrere Schneemänner und die Sonne kämpfte sich durch den Nebel. Die Stimmung war seltsam-schön. Der Nebel wurde mal dichter und immer wieder konnte man die Sonne durch den Nebel sehen.



Wir haben uns gewundert, dass so viele Leute auf dem Elbstrand unterwegs waren und sich anscheinend zu einer Art Demonstration trafen. Eine Fahne mit der Aufschrift „Nazis Nein Danke“ wies auch sehr deutlich darauf hin. Als wir wieder auf dem Rückweg waren und uns im Kern des jetzt stehenden Menschenpulks befanden, meinte Anja: „Schau mal, die Leute ziehen sich aus. Die gehen hier bestimmt schwimmen.“ Ich wollte das gar nicht glauben und so hat Anja einen Mann gefragt, der vor uns stand und ich gerade auszug. Ja, er bestätigte: „In 3 Minuten geht’s los!“
Hier war heute Eisbaden gegen Rechts, veranstaltet von der Eisbademeisters Hamburg. Glücklicherweise hatte ich heute meinen Trekkingrucksack mit Badeklamotten dabei. Wie toll! Auch Anja war begeistert. Schnell habe ich meine Klamotten aus- und meine Badehose angezogen. Pünktlich um 14:00 Uhr ging es los – und, das machte das Ganze noch schöner, plötzlich lichtete sich der Nebel und die Sonne strahlte. ☀️ Eine Sprecherin gab eine kurze Einweisung über Sinn und Zweck sowie ein paar Verhaltenshinweise und dann kam Leben in die Menge. Alle (zumindest sehr, sehr viele) stürzten sich juchzend ins Wasser (Anja nicht, sie fotografierte und filmte); die meisten sind nach kurzem Kontakt mit dem Wasser wieder raus. Mit 2,1 °C Wassertemperatur ist das verständlich. Ich hielt ein einen Moment länger aus, und bin noch ein paar Züge geschwommen. Wie immer war das Schlimmste das Anziehen danach. Die Socken über die kalten und gefühllosen Zehen zu ziehen, ist immer wieder eine Herausforderung.
Es war eine tolle, spontane Aktion, bei der wir zufällig zum richtigen Moment an der richtigen Stelle waren. Ich bin noch nie mit so vielen Leuten eisbaden gewesen.
Anja hat für mich noch eine tolle neonfarbene Wintermütze erstanden. Der Erlös wird von den Eisbademeisters für einen guten Zweck verwendet.
Anschließend sind wir noch die Treppen hoch zum Hohen Elbufer, an den Villen vorbei und durch Övelgönne gelaufen und haben am Museumshafen noch jeder ein sehr leckeres Matjesbrötchen gegessen und zusammen einen Glühwein genossen. Danach ginge es mit der 62er-Fähre wieder zurück zu den Landungsbrücken.






Zurück an den Landungsbrücken haben wir, nach einigen Metern treppauf, den Ausblick über den Hafen genossen, genau dort, wo Philip und Anja im August waren, als Philip den Führerschein neu hatte und er Fahrpraxis sammelte.

Schon vorher hatte ich im Internet gelesen, dass man unbedingt durch den Alten Elbtunnel laufen solle. Da der Eingang zum ersten Hamburger Elbtunnel direkt an den Landungsbrücken liegt, sind wir dort nochmal hin und einmal hin und her durch den Elbtunnel gelaufen. Eine der beiden Röhren wird gerade renoviert. In der zweiten sind bereits die Tübbing-Konstruktion, darunter versteht man die tragende Außenkonstruktion eines Tunnels, und alle Fliesen erneuert. Diese eine Röhre sieht daher wie neu gebaut aus – wären da nicht diese dekorativen Fliesen aus einer anderen Zeit.


Nach dem Besuch des Elbtunnels kam Wind auf uns es schneite wieder sehr stark. Wir wollten uns aufwärmen und sind in ein Delikatessen-Selbstbedienungs-Café am Hauptbahnhof. Dort haben wir auch noch ein paar Reisegeschenke gekauft und sind danach mit dem Bus wieder in unser Hotel erfahren. Dort haben wir uns etwas erholt (Anja testen die Beine weh und versuchte zu schlafen) und ich war noch eine Runde in der Hotelsauna.
Gegen 20:45 Uhr sind wir los gen Elbphilarmonie. Wir wollten eigentlich in der Stadt noch etwas essen, aber da der Bus aufgrund der Wetterbedingungen Verspätung hatte, sind wir gleich zur Elphi. Dort hatten wir Karten für „Legends of Poetry Slam“. Die Veranstaltung an sich war insgesamt eher mittelmäßig, aber die Elbphilharmonie an sich war schon ein Erlebnis und die Kartenpreise wert. Anja hatte erst vor ein paar Tagen die Karten gekauft, und da es nur nur ein paar vereinzelte Plätze gab, saßen wir zwar in unmittelbarer Nähe, aber nicht nebeneinander.
Obwohl die Veranstaltung ausverkauft war, blieben etwa 1/5 der Plätze frei. Vermutlich hatte die Witterung den Leuten einen Strich durch die Rechnung gemacht.


Julia Engelmann (links) trat auf.
Auf dem Rückweg haben wir dann auch verstanden, was passiert war. Wir warteten nämlich eine ganze Weile auf den Bus, wechselten sogar die Haltestelle, bis uns ein junges Pärchen aufklärte, dass der Busverkehr des ÖPNV mittlerweile komplett eingestellt sei. Wir haben also ein Taxi gerufen und waren gegen 2:30 Uhr endlich im Bett.

Am nächsten Tag
Heute früh haben wir dann bis 9:30 Uhr geschlafen und nach ausgiebigem Frühstück und Auto-Laden ging es über einen Kurzbesuch bei Anjas Schwester sowie deren Mutter wieder zurück nach Riemerling. Seit Mitternacht sind wir wieder zu Hause. Ich freue mich über die beiden letzten verbliebenen Ferientage, bevor am Mittwoch – für Anja schon eher – wieder die Arbeit beginnt.
